Übers Reisen

Ich war wohl einer jener „Lehnstuhlreisenden“, die sich zu Hause von den farbenfrohen, immer sonnen-beschienenen und oft abenteuerlichen Reisereportagen von „VOX“, „3sat“, „arte“, „phoenix“ in die weite Welt forttragen lassen. Verlockende Filmsequenzen: Da will ich auch einmal hin, wenn ich Zeit habe! Oder während der „Kurzurlaube“: Jetzt müsste man einfach eine Zeit lang aus dem Terminkalender aussteigen und bleiben, um Land und Leute genauer kennen zu lernen. Oder anlässlich der „Berufsreisen“: Kann man sich wenigstens gelegentlich absetzen, um sich einfach durch die Stadt treiben zu lassen und dem Treiben zuzusehen? Jahrelang aufgeschobene Wunsch­vorstellungen. Statt dessen imaginäre Reisen in die innere Emigration. Aber die Vorstellungen hatten sich als Lebensalternativen im Kopf festgesetzt.

Denn, so Ryszard Kapuściński, der höchst aufmerksame Vielreisende, „eine Reise beginnt nicht in dem Moment, da wir uns auf den Weg machen, und sie endet nicht, wenn wir ans Ziel gelangt sind. In Wahrheit beginnt sie viel früher, und sie ist faktisch nie zu Ende, weil sich das Band unserer Erinnerung in unserem Inneren weiterdreht, auch wenn wir längst angekommen sind.“